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Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.
Artikel 146, GG

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Gerd-Lothar Reschke:
Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere.
Logbuch 3.2006 – 12.2006


Engelsdorfer Verlag,
606 Seiten, 28,00 Euro,
ISBN 978-3-86703-016-8

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Der Irrtum des sozialistischen Geldverständnisses

Vorwort

Eines vorweg: Aufgrund des Titels erwarten Sie jetzt vermutlich einen komplizierten, theoretischen Wirtschafts- und Politikdiskurs. Das sind Sie sicher so gewohnt. Sie würden auch nicht erwarten, daß man ein derartiges Thema mit ein paar ganz einfachen Überlegungen aufschlüsseln kann. Genau das habe ich aber vor. Ihnen steht es natürlich frei, danach immer noch denjenigen zu glauben, die Ihnen etwas erzählen, was keiner so richtig versteht, aber das mehr nach fachlichem, wissenschaftlichem Insider- und Expertenwissen riecht. Was den Aspekt der "Wissenschaftlichkeit" angeht: darauf komme ich dann noch im vierten Abschnitt.

Das entscheidende Kriterium

Ich gebe Ihnen jetzt ein ganz einfaches Kriterium an die Hand, mit dem Sie auf Anhieb feststellen können, ob Sie es bei einem Finanzmodell und Geldverständnis mit einem sozialistischen Ansatz zu tun haben. Es lautet:

Wertdeckung.

Ist Wertdeckung gegeben oder nicht?
Wird, wenn von "Geld" die Rede ist, von einem wertgedeckten oder von einem ungedeckten Geld ausgegangen?

Damit haben Sie den entscheidenden Schlüssel, mit dem Sie sofort zu den Grundlagen durchdringen. Ich gehe sogar soweit, zu behaupten: Sie finden dann auch sofort heraus, ob es sich um einen sozialistischen Politikansatz handelt oder nicht.

Natürlich basieren heute fast alle Finanzkonzepte und auch die politischen Programme praktisch aller Parteien auf nicht wertgedecktem Geld, also Fiat-Geld ("Geld aus dem Nichts"), und sind somit selbst sozialistisch. Das gilt — auch wenn Sie mir das vorerst wohl nicht abnehmen werden (aber ich werde es beweisen) — , auch für angeblich liberale Parteien wie die FDP. Das hat geldhistorische Gründe. Ungefähr seit dem 18. Jahrhundert läuft eine moderne Form der Gehirnwäsche ab, die Wertdeckung aus den Köpfen der Menschen vertrieben und Scheingeld (im wahrsten Sinne des Wortes) einsuggeriert hat. Der Grund liegt wohl einerseits in der Etablierung versteckter Machteliten wie Rothschild, Rockefeller, Morgan, Warburg etc. (siehe die Geschichte der Bank of England sowie die Entstehung des Federal Reserve Systems in den USA), aber andererseits im Geldhunger der modernen bürokratischen Staatskraken mit den darin eingenisteten Pseudopolitikern, die sich davon Einfluß, Prestige und persönliches Renommé versprechen.

Es ist wichtig, die Psychologie hinter dem sozialistischen Politikansatz zu verstehen; dann versteht man auch sofort den Grund, weshalb in diesem Ansatz stets legales Falschgeld höher bewertet wird als echtes (wertgedecktes) Geld. Das sozialistische Modell ist ein Top-down-Modell (von oben nach unten aufgebaut und von oben nach unten denkend). Unter dem Vorwand, man könne so für "mehr Gerechtigkeit" sorgen, wird eine Oberinstanz "Staat" geschaffen, die an einen Gott oder an einen Übervater erinnert und die letztendlich zu regieren hat. Das Volk ist nur noch dazu da, dieser Oberinstanz Verantwortung abzutreten, indem es sie in Pseudodemokratien "wählen" darf. Letztlich werden aber immer nur Einzelfärbungen gewählt (so, wie man im Fastfood-Bereich zwischen McDonalds und Burger King wählen darf und dann im wesentlichen dasselbe Nahrungsangebot erhält). Das System selbst ist vorgegeben. Ich bezeichne es als "Krake", weil es sich automatisch von den zur Verfügung stehenden Ressourcen ernährt und ständig wächst. Da immer mehr Menschen in der Bürokratie des Systems angestellt sind und dort ihr Auskommen verdienen, sind auch immer mehr Menschen an diesem Wachstum interessiert: es sichert scheinbar Arbeit und Wohlstand.

Psychologisch nimmt die Staatskrake dem einzelnen Verantwortung ab, was der heutigen Generation der konsum- und komfortorientierten Bürger ein Gefühl der Erleichterung beschert. Es gibt das sogenannte "Soziale Netz" für alle Arten von Benachteiligten (ethnische Minderheiten, Arbeitslose, Alte, Kranke usw.), es gibt öffentliche Einrichtungen wie Nahverkehr und Kulturprogramme: es gibt ein unglaublich weitverzweigtes kollektives System der Absicherung und Versorgung. Mit anderen Worten: Die immer stärker gefürchteten Gespenster von Angst, Leiden und Sterben sollen durch ein ständiges Mehr an Sicherheit und Sorgenfreiheit vertrieben werden. Sozialismus organisiert all diese Aufgaben kollektivistisch, ausgehend von zentralistischen Instanzen. Auch die Medien werden immer mehr zentralistisch verwaltet und gesteuert; es gibt fast keine Pluralität mehr, sondern alles kommt aus denselben wenigen Quellen. Dasselbe gilt mittlerweile für die Unterhaltungsindustrie, die der Aufgabe gewidmet ist, den einzelnen, vom Sozialismus betreuten Bürger in einem Zustand der Abgelenktheit und Sorgenfreiheit zu halten — ihn möglichst "zufrieden" zu machen.

Der zentralistische Top-down-Ansatz ist heute bereits so selbstverständlich geworden, daß man das Wort "sozialistisch" nicht mehr mag und sich auch nicht anheften lassen möchte. Schließlich sei ja der "reale Sozialismus" historisch gescheitert. Der moderne Sozialismus präsentiert sich als Konzern- und Großkapital-Sozialismus und ist nichts als ein verkappter Totalitarismus — jedoch gewaltfrei.

Zurück zum Geld. Nur mit dem hier soeben beschriebenen Staatsbegriff läßt sich ungedecktes Geld verwalten. Das Geld wird einfach als Papier- und Buchgeld (in Computern) erzeugt; eine Zentralbank regelt die Geldmenge. Wer an den Staat glaubt, glaubt auch daran, daß der Staat weise und gerecht ist und daß die dort tätigen Politiker sein Bestes wollen. Sie wollen ihm sicher helfen und denken danach erst an sich selbst — das versichern sie ihm ja auch jeden Tag von neuem, also wird es wohl stimmen. Daß der Staat auf Grundlage seiner Potenz, beliebig Scheingeld zu schaffen, sich auch gleichzeitig die Möglichkeit verschafft, immer neue Kriege zu finanzieren, interessiert den Bürger weniger, denn er hält seinen Staat ja für etwas grundsätzlich Sinnvolles. Außerdem bekommt er — ebenfalls tagtäglich — zu hören, daß diese Kriege leider nötig seien und sich nicht vermeiden ließen: werde doch durch sie der Frieden in der Welt gesichert und das eigene Land vor bösen Feinden und Terroristen geschützt.

Die Staatsgeld-Befürworter

Die meisten Kritiker des gegenwärtigen Finanzwesens kritisieren nicht den Staat, sondern die Banken und Konzerne. Gefordert wird, daß das Recht zur Erzeugung von Schein- bzw. Fiatgeld auf den Staat überzugehen habe. Auch wenn sich unter diesen Kritikern zahlreiche ansonsten sehr respektable Persönlichkeiten befinden, arbeiten sie meiner Beobachtung nach einer kommenden faschistischen Diktatur in die Hände. Woher kommt es, daß selbst intelligente Menschen den Unterschied zwischen gedecktem und ungedecktem Geld nicht verstehen? Es hat nichts mit Böswilligkeit zu tun; diese Leute haben durchaus honorige Absichten. Aber darunter verbirgt sich bei ihnen eine gravierende Schwachstelle: Der Grund für ihr Nichtverstehen liegt in der Struktur und Wirkweise ihres Verstandes begründet. Der Verstand ist nämlich selbst eine Top-down-Instanz; er denkt "von oben nach unten", er pfropft der Wirklichkeit und dem unvorhersehbar-chaotischen Leben ein selbstprojiziertes Wollen, Planen und Regeln auf, er ist technisch und rational, nicht emotional und nicht instinktiv. Intellektuelle wollen zwar Gutes, aber sie fürchten das Ganze des Lebens, in dem sich alle Kräfte der Existenz unkontrollierbar abwechseln. Daß Gerechtigkeit nichts Menschengemachtes ist, können sie nicht begreifen und werden sie auch nicht zulassen.

Gedecktes Geld hat ganz direkt mit geschaffenen Werten zu tun. Intellektuelle, die in einer Welt der Ideale und Ideenkonzepte leben, finden das meistens "zu materialisch". Auf den einfachen Arbeiter, der sich etwas erwirtschaftet, der spart, vorsorgt und haushält, schauen sie von oben herab und finden ihnen kleinkariert, "besitzgierig" und beschränkt. Geld sei doch gar nicht so wichtig, und Sachwerte müsse man doch auch wieder loslassen können. Jeder müsse mal sterben, und da könne er seine "gehorteten Schätze" ja auch nicht mehr mitnehmen. Natürlich steckt hinter diesem Denken eine unterschwellige Arroganz und eine völlig gespaltene Sicht. Der Intellektuelle verfolgt nämlich sehr wohl seine eigenen Vorstellungen von Nutzen und Profit, nur spricht er darüber nicht offen. Würde man ihm die staatliche Unterstützung, auf die er unausgesprochen spekuliert, entziehen, so käme eine unverhohlene Manifestation von Schmarotzertum und Habgier zutage. Auch hier gilt: Um die verborgene Wahrheit herauszufinden, stelle man stets die Frage nach der eigentlichen Interessenlage: Cui bono?

Der Wert, mit dem gelebt wird und den man mit anderen tauschen kann, muß immer erst geleistet und erkannt werden. Scheingeld ist per se ein Betrug an dieser simplen Tatsache, die überall dort im Leben gilt, wo falsche Vortäuschung keine Macht hat. Schaut man sich diesen Zusammenhang genauer an, dann erfährt man viel über den unterschiedlichen Charakter von Menschen. Es gibt Zeiten, da ist die Gruppe der Menschen, die (heimlich) in Kategorien von Diebstahl, Ausnutzung und Betrug denken, zahlenmäßig größer als die der anderen, die noch nach Grundsätzen einer bodenständigen Ehrlichkeit leben — selbst wenn sie in solchen Epochen nach außen hin die Dummen sind und übervorteilt werden. Aber die ersteren sind keine Gewinner, sondern sie gehen ihr ganzes Leben lang als Verlierer durchs Leben. Denn letztlich wissen sie innerlich genau, was passiert — sie fühlen es. Sie haben sich selbst betrogen. Und die anderen, die scheinbar übervorteilt wurden, haben dennoch ein viel besseres Gewissen und einen ruhigeren Schlaf. Der Unterschied ist eben doch nicht "nur materiell".

Zur vorgeblichen Wissenschaftlichkeit gängiger Wirtschafts- und Finanztheorien

Divo hat bereits sehr richtig beobachtet, daß die meisten alternativen Denkansätze, die zu einer Aufklärung im Bereich Geldsystem und Finanzwesen beitragen, nicht von Ökonomen kommen, sondern von Vertretern strikter Wissenschaften, insbesondere von Informatikern. Ökonomie (Volks- und Betriebswirtschaft) wird gemeinhin als exakte Wissenschaft betrachtet — und kennzeichnet sich selbst als solche. Das ist jedoch ein sehr bezeichnender Irrtum, der zu viel Unheil geführt hat. Ökonomie ist genauso wenig eine exakte Wissenschaft wie etwa Psychologie, und zwar schon aus dem einfachen Grund, weil menschliches Verhalten nicht nach mathematisch-naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten abläuft.

Den Anschein der Exaktheit und Wissenschaftlichkeit (im engeren Wortsinn: also im Sinne von präziser Beweisbarkeit und Schlußfolgerbarkeit) verleiht man sich dadurch, daß man exakte Methoden in die eigene Disziplin aufgenommen, sie sich quasi "ausgeliehen" hat: darunter etwa die Statistik oder die Wahrscheinlichkeitstheorie. Mit diesen Disziplinen ausgestattet gelingt es den einschlägigen Vertretern der halbwissenschaftliche Zünfte, sich das Mäntelchen der Exaktheit umzuhängen. Sie machen das sehr geschickt — ich nenne es jedoch ein abgefeimtes Trickmanöver. Natürlich lassen sich zu allen möglichen Messungen und Datensammlungen mathematische Modelle (Tabellen, Diagramme, Charts etc.) erstellen. Aber damit wird dann ein falscher Anschein erweckt: so als handele es sich bei alledem um Tatsachen.

Unheilvoll wird diese Täuschung nun gerade im Bereich Geldsystem und Finanzwesen. Bezeichnenderweise haben die allermeisten Ökonomen den Eintritt der Finanzkrise 2007 nicht vorhergesehen. Die ernstzunehmende Österreichische Schule der Ökonomie (von Mises, von Hayek) wurde sogar ganz aus dem wissenschaftlichen Lehrkanon verbannt; stattdessen hatte die neoklassische Richtung das Sagen. Das linke politische Spektrum huldigt wiederum dem Keynesianismus. Beide Richtungen sind erklärte Befürworter des Staatsgeldes in Form von ungedecktem Fiat-Geld.

Wie kommt es aber, daß viele neue (den Ökonomen sogar verhaßte) aufklärerische Ansätze ausgerechnet von Informatikern artikuliert worden sind — die dazu das Internet nutzen, weil sie so den starren Glaubenskanon des herkömmlichen "wissenschaftlichen" Lehr- und Vermittlungsbetriebs umgehen können? (Was allein das schon bedeutet, muß man sich auch erst mal klarmachen: denn früher wären solche Stimmen gar nicht zu Wort gekommen; man hätte sie schlichtweg unterdrückt.) Der Informatiker ist im Gegensatz zum Ökonomen ein exakter Wissenschaftler, und zugleich hebt er sich von den traditionellen exakten Wissenschaften (Mathematik, Physik, Chemie sowie alle klassischen technischen Disziplinen) darin ab, daß er auch sehr stark mit menschlichen Verhaltensweisen konfrontiert ist, insbesondere was die Bedienung von Computer- und Software- Systemen anbelangt. Er weiß in seiner Disziplin genau, was stimmt und was nicht stimmt; er weiß aber auch, wie Menschen darauf reagieren.

Was es für den Informatiker nicht gibt, ist Suggestion, ist die Beeinflussung von Ausgangsdaten, um bestimmte Resultate zu suggerieren. Der Informatiker glaubt nichts, sondern prüft alles nach. Entweder etwas stimmt (dann kann man das verifizieren), oder es stimmt nicht. Für ihn sind mathematische Gesetzmäßigkeiten nichts, das man biegen und drehen könnte — so wie es Ökonomen tun, die gewohnt sind, solche Gesetzmäßigkeiten in Form von Statistiken und Diagrammen dazu zu benutzen, um bestimmte vorgefaßte Ansichten zu untermauern und damit beim Publikum den Eindruck von hundertprozentiger Eintrittswahrscheinlichkeit hervorzurufen. Er weiß aber auch, daß diese mathematischen Gesetzmäßigkeiten immer weniger nützen, sobald man mit der natürlichen Beschränktheit, auch Emotionalität, Voreingenommenheit und/oder Trägheit des einzelnen Menschen zu tun bekommt.

Hinsichtlich des Geldsystems verläßt sich der Informatiker auf seinen nüchternen Einblick in die Ausgangskonstellation der Falschgelderzeugung. Scheinbare Werte werden dort aus dem Nichts geschaffen und von Menschen für bare Münze genommen (im wahrsten Sinne des Wortes!). Die Zinseszins-Funktion wiederum wirkt, als wiederum unleugbare mathematische Gesetzmäßigkeit, wie ein unerbittlicher Verstärker und potenziert die Täuschung ins Unermeßliche. Der Betrugscharakter des Kreditgeldsystems ist für den Informatiker mit einem Blick zu durchschauen — als umso ungeheuerlicher muß er es empfinden, wenn er sieht, daß die allermeisten Ökonomen (und erst recht die systemhörigen Politiker) genau diesen Betrugscharakter ganz normal finden und mit ihm ihr Spiel der künstlichen Vortäuschung spielen. Es müsse dann eben einfach "die Wirtschaft entsprechend mitwachsen", es würden eben einfach "immer mehr neue Werte geschaffen", das könne man durch Ausnutzung des ständig weiterentwickelten "technischen und wissenschaftlichen Fortschritts" erreichen usw. usf.

Man muß dann immer abwegiger, maßloser und auch gewissenloser denken; man braucht sich nur daran zu gewöhnen, daß fast alle so denken, daß das heute ganz normal ist und daß mittlerweile alle fortgeschrittenen Zivilisationen dieses Planeten auf ebendiesem Schwindel basieren. Man könne es ja auch gar nicht mehr zurückdrehen, weil dann "alles zusammenbrechen" würde, und "das will doch wirklich keiner". Und doch wird kein exakter Wissenschaftler, der sich seinem Metier verpflichtet fühlt, jemals so denken — denn er würde seine eigene Disziplin damit wissentlich vernichten. Eine Physik, in der man aus dem Nichts heraus irgendwelche Kräfte und Wirkungen generieren könnte, wie es einem gerade beliebte, wäre keine Physik mehr und damit wertlos. Und eine Mathematik, bei der aus der Addition zweier Zahlen mehr als ihre Summe werden würde, wäre keine Mathematik mehr, und damit nur noch ein nutzloser Unsinn.

Es ist keine Schande, bei den einfachen Zusammenhängen zu bleiben und sich nicht auf die komplizierten Konzepte von Finanzjongleuren und intellektuellen Geldtheoretikern einzulassen, die mit immer neuen Argumenten ungedecktes Zentralbank- und/oder Staatsgeld zu rechtfertigen versuchen. Man frage einfach nach der Wertdeckung. Das hat schon der gute alte Goethe so gehalten, und der wußte auch aus eigener Erfahrung im Staatsamt genau, weshalb. Mit der ihm eigenen klaren, unbestechlichen Sicht der Dinge entlarvte er bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, worauf heute das Gros der Ökonomen und Politiker hereinzufallen beliebt: Ich kann immer nur empfehlen, wieder und wieder die entsprechende Szene im Faust II nachzulesen, wo Mephistopheles für den König dieselbe betrügerische Art Falschgeld herstellen ließ (bezeichnenderweise in Form von Staatsanleihen), mit der heute unsere ganze Gesellschaft und Kultur auf verhängnisvolle Weise betrogen wird.

"Schulden" als Zins auf ungedecktes "Geld aus dem Nichts" — und welche Folgen das hat

Exzellente Erläuterung der Hintergründe des aktuell herrschenden (Falsch)-Geldsystems, gefunden als Kommentar im ef-Magazin, dort eingestellt am 16.5.2010 9:15:

Der eine sagt: "Schulden schaffen Gier."
Der andere entgegnet: "Schulden führen oft zu ganz neuer Bescheidenheit."

Der Gegensatz läßt sich auflösen, wenn wir zum Kern des (Debatten-)Problems vordringen: Was verstehen wir unter dem Begriff „Schulden“?

Offensichtlich stellt sich jeder etwas anderes darunter vor; die meisten hitzigen Diskussionen entstehen, weil sie mit völlig untauglichen Werkzeugen geführt werden. Während sich in der Sache selbst wohl die meisten Menschen einig sein dürften, streiten sie mit Worten, die zur trefflichen Beschreibung des Sachverhalts nicht geeignet sind, weil sie durch die politische Agitation eine inhaltliche Begriffsverunreinigung erfahren haben.

„Wenn es keine Zinsen gibt, verleihe ich mein Geld nicht. Sie etwa?“

so fragt ein Kommentator und erbringt hier den Beweis für oben Gesagtes. Er denkt an sein sauer erarbeitetes „Geld“ – auch so ein Begriff, der eine Differenzierung nötig hätte. In der Regel verstehen wir „Geld“ als rechtschaffen erarbeiteten Lohn für wertschöpferisches Tun. Wenn wir „Geld“ bekommen, dann haben wir zuvor einen Mehrwert geschaffen, dessen Größenordnung in unserer Wirtschaftsordnung mit Hilfe von „Geld“ beziffert wird. Jeder strebt danach, Ersparnisse zu bilden, um für Notfälle oder das Alter abgesichert zu sein. Da versteht es sich von selbst, daß man diese Ersparnisse nicht einfach blindlings an Leute weitergibt, wenn einem dabei nur das Risiko bleibt, am Ende mit leeren Händen dazustehen.
Der obige Einwurf ist daher nur natürlich und zeigt, wie wir gefühlsmäßig mit dem Begriff „Zinsen“ umgehen. Dennoch erscheint vielen der „Zins“ als Verwerflichkeit globaler Finanzierungsstrategien. Hier ist wieder Begriffsverwirrung am Werk. Bei den konstruktivistischen Transaktionen im Geldwesen geht es um etwas anderes, dem wir verstandesmäßig nicht beikommen, wenn wir beim Nachdenken die falschen Vokabeln verwenden. Das ist, als ob man ein Digitalgerät mit dem Schraubenzieher reparieren möchte. Oder die Lufttemperatur mit dem Zollstock messen wollten. Was ist denn überhaupt der „Zins“?

Was die Gemüter erregt, ist, daß wir den Betrug fühlen, der sich im Finanzkapitalismus manifestiert. Wir nennen es „Zins“, aber im eigentlichen Sinne handelt es sich nicht um einen solchen. Was wir beklagen, ist die Erzeugung von Schuldknechtschaft mittels Enteignung. Diese geschieht verdeckt durch Schaffung von Geld aus dem Nichts (Fiat Money). Dieses Nichts wird verliehen. Und für dieses Nichts werden „Zinsen“ erhoben. Man kann sagen, das alles ist ein strategisch eingesetzter Buchungstrick. Im Grunde bedürfte es nicht des Verzinsens – es genügte schon allein die Schaffung des Fiat-Geldes, um denselben Effekt zu erzeugen, aber eben ohne Turbo-Effekt. Daß auf Nichts auch noch Zinsen erhoben werden, ist vielleicht kein bewußter Trick, wurde aber als nützlich erkannt: alle Welt schimpft auf die „Zinsen“ und auf die Gier der bösen Geldverleiher…

So wird vom eigentlichen Treiben abgelenkt, und alles kann bleiben, wie es ist. Unten zerfetzen und bewüten sich die Freunde und Gegner des „Zinses“ ohne zu ahnen, daß sie einen Kampf mit Luftworten führen.

Noch einmal: Das große Geschäft der Banken ist nicht das Verleihen von „Geld“. Genausowenig trifft die Beschreibung „Schulden“ zu, wenn wir das Verhältnis zwischen „Schuldner“ und „Gläubiger“ beschreiben wollen! (Auch der Staat macht nicht Schulden, er verbraucht Geld und tarnt sich als Schuldner, der Zinsen zahlen muß …) Der hierzu verwendete Begriffsapparat paßt auf unsere kleinen, eigentumsgeschützten Wirtschaftsabläufe und täglichen Handlungen. Er ist einem System zugeordnet, wo mit echtem Geld bezahlt wird. Der Begriff taugt keinesfalls zur Beschreibung des jetzigen Betrugs- und Raubsystems mit Fiat-Money.

Die heutige Wirtschaft basiert nicht auf Schulden, wie hier auch geäußert wurde, sondern auf dem Zwang, sich im Erwerbsleben, ob als Selbständiger oder als Lohnabhängiger, vertraglich dem Kartell der Spielgeldhersteller zu unterwerfen und die von ihm in beliebiger Menge herausgegebenen Spielmarken zu erwerben, ohne die er keinen ersten Zug machen kann. Der falsche „Zins“ ist ein gewaltsam eingefordertes Eintrittsgeld zur Teilnahme am Kasinobetrieb des modernen Wirtschaftslebens. Jeder fühlt, daß diese Knebelverträge großes Unrecht sind und nicht nur Privatpersonen, sondern ganze Gesellschaften und Staaten in die Schuldsklavenschaft führen. Es ist aber völlig verfehlt, dem neutralen Begriff „Zins“ dafür die Hauptschuld zu geben. Man muß es anders nennen.

In einer Ordnung, die den Eigentumsschutz an oberste Stelle gerückt hat, wo also mit wertebasiertem Geld gewirtschaftet wird, werden weder Schulden noch Zinsen einen Schaden anrichten — Geld hätte dann nämlich einen mit der Wirklichkeit korrespondierenden Preis, und dieser Preis würde das Handeln der Wirtschaftssubjekte in eine positive Richtung lenken; Zockerei, Gier und skrupellose Ausbeutung hätten darin wenig Chance, solche Dimensionen zu erreichen wie wir dies zur Zeit beobachten dürfen. Wer dann Kredit beanspruchen würde, würde dies als Vorschuß auf eigene Produktivität tun und nicht zum bloßen Verbrauch, denn eine Veruntreuung würde als Diebstahl geahndet und bestraft. Trotz Zinsenzahlung hätten in einem freien Vertragsverhältnis mit echtem Geld beide, Schuldner und Gläubiger, einen wirtschaftlichen Vorteil — und zwar deshalb, weil der Gläubiger durch seine Tätigkeit einen Mehrwert schafft, der vorher nicht vorhanden war: am Ende sind alle reicher. Zinsen sind Ausdruck für die Zeitschiene — der Faktor Zeit wird beim Denken meist ausgeklammert, sehr zum Schaden des Denkmodells. Es geht nicht ohne Eigentum und Vertragsfreiheit — beides erst schafft Verantwortlichkeit, in der auch Risiken nicht auf das Kollektiv abgewälzt werden können.

Eine Revision des Begriffsapparats „Schulden“ und „Zinsen“ wäre angebracht, damit wir einander besser verstehen und nach Lösungen suchen können. Wenn wir, die ahnungslosen Opfer dieser kriminellen Vorgänge, damit fortfahren, einander unseren Zorn und berechtigten Schmerz mittels nebulöser Wörter mitzuteilen, so werden wir auf keinen grünen Zweig kommen. Das angebliche Zins-Schulden-Problem liegt woanders, als die meisten Kritiker vermuten: es ist ein Betrugs-Veruntreuungsmanöver, das sich mit Begriffen aus der Marktwirtschaft tarnt. Ergebnis ist die Aufspaltung der Menschen in Arbeitssklaven und Feierabendherren.

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