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Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.
Gerd-Lothar Reschke: |
Zen und die SystemkriseDer große Meister Chosa Shoken lebte in Konan während der Sung-Dynastie. Er sagte einst zu seinen Schülern:
Ich verzeichne immer wieder zwei hauptsächliche Reaktionen auf die Systemkrise (in der Öffentlichkeit immer noch mehrheitlich als Wirtschafts- oder Finanzkrise bezeichnet), sowohl bei mir selbst wie auch bei anderen: Auf der einen Seite Gefühle von Wut, Ohnmacht und Enttäuschung — angesichts der Unmöglichkeit, etwas gegen die immer fataler werdenden Fehlentwicklungen zu tun. Und auf der anderen Seite ein Abwenden der Aufmerksamkeit, das man nicht nur als Verdrängung oder Realitätsleugnung bezeichnen kann, sondern das auch eine gesunde Komponente der Selbsterhaltung bzw. der Weigerung zur Selbstschwächung beinhaltet. Das erste ist eine mehr nach außen gewandte Sicht (auch politische oder kritische Sicht genannt), das zweite eine nach innen gewandte Sicht (unpolitisch, aufs direkte Erleben des eigenen Privatbereichs beschränkt). Vielleicht pendelt der eine oder andere auch zwischen beiden Sichtweisen hin und her. So ist es z.B. eine durchaus verständliche Reaktion, aufgrund von intensiver Auseinandersetzung mit extremen Ungerechtigkeiten, mit Irrsinn und Grausamkeit führender politischer Instanzen sowie mit einer zunehmenden Schieflage der globalen Wirtschaftssituation zumindest phasenweise zu resignieren. Man fühlt sich einfach nur schlecht und kann doch nichts tun. Je besser man sich auskennt und je genauer man hinter die Kulissen von politschem und wirtschaftlichem Geschehen zu blicken vermag, desto mehr wird einem das wahre Ausmaß an Zerstörungskraft bewußt, das zur Zeit dort mobilisiert wird. Und zugleich wächst das Bewußtsein der eigenen Hilflosigkeit. Hätte man nicht hingeschaut, hätte man den unaufhaltsamen Mechanismus des Unheils und der Gewalt nicht verstanden, so wäre einem der eigene Seelenfrieden eher erhalten geblieben.
Verdrängung ist keine Lösung; aufgeregtes Politisieren und Kritisieren aber ebensowenig. Was aber ist dann die Lösung? Im Zen gibt es beide Richtungen; sie werden dort als die überwärtige (zur individuellen Selbsterkenntnis und Erleuchtung strebend) und die niederwärtige Richtung (Einsicht und Erkenntnis ins praktische Alltagsleben einbringend und dort nach höchstmöglicher Qualität strebend) bezeichnet. Es sind zwei Aspekte ein und derselben Angelegenheit: des Daseins in und mit der Welt. Mit dem Selbst erscheint immer auch die Welt, und mit der Welt ist immer zugleich auch ein Selbst gegeben, das diese wahrnimmt und in ihr lebt und handelt. Wäre das nicht so, dann gäbe es auch kein Leben, keine Existenz, absolut nichts Wahrnehmbares. |
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Copyright © 2010 Gerd-Lothar Reschke