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Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.
Artikel 146, GG

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Gerd-Lothar Reschke:
Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere.
Logbuch 3.2006 – 12.2006


Engelsdorfer Verlag,
606 Seiten, 28,00 Euro,
ISBN 978-3-86703-016-8

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Die alten Ladenhüter der Kriegspropaganda

Angriffskriege, also Kriege, bei denen sich die Kriegsführung in fremde Länder verlagert und dort entweder eine Besetzung oder die Herbeiführung eines Regierungswechsels versucht wird, sind immer falsch. Man versteht das schon aus der Betrachtung der Geschichte heraus, aber vor allem, wenn man sich zwischenmenschlichen Umgang und die dabei geltenden Gesetzmäßigkeiten näher anschaut. Angriff und Selbstverteidigung sind prinzipiell verschieden. Mit Angriff wird das, was mit Gewalt zu lösen versucht wird, nur verschlimmert. Diese Wahrheit gilt immer und überall. Wer Krieg nach außen führt, der zerstört. Er hat die Grundlage dessen, was gemeinhin unter "Menschlichkeit" verstanden wird, verlassen. Im Grunde führt er damit auch Krieg gegen sich selbst, hat begonnen, sich selbst zu zerstören. Aber er hat auch begonnen, sich selbst, die eigenen guten Grundsätze, zu verraten. Er hat begonnen, in der Lüge zu leben.

Das ist es, was wir jetzt in Deutschland, leider, erleben müssen. Allein schon bei korrekter Anwendung der geltenden Gesetze dürfte ein Krieg, wie ihn Deutschland inzwischen führt, gar nicht möglich sein — die dafür Verantwortlichen gehörten schwer bestraft. Es ist entsetzlich, daß das nicht passiert — noch entsetzlicher ist die Teilnahmslosigkeit der Bevölkerung. Ginge alles mit rechten Dingen zu, dann würden Politiker, die Krieg befürworten oder gar aktiv in Gang setzen, bei der nächsten Wahl allesamt von der Bildfläche verschwinden müssen.

Hier kommt nun der Lügenmechanismus der Kriegspropaganda ins Spiel. An dem dann vorwiegend die Massenmedien maßgeblichen Anteil tragen. Denn sie beginnen ja nun täglich die Lügen hinauszuposaunen, und durch ständige Berieselung und Wiederholung der immer gleichen Irreführungen und Abstumpfungsparolen — die eigentlich jeden, der sie in den Mund nimmt, auf der Stelle völlig diskreditieren müßten — wird die Manipulation der Massen erst möglich. Bekanntlich kann man dann mit diesen Massen so gut wie alles machen.

Die Propaganda arbeitet mit einem relativ simplen, historisch immer wiederkehrenden Repertoire. Eigentlich sind das alles uralte Ladenhüter. Nehmen wir folgenden Ablauf: Politiker senden junge Burschen zur Kriegsführung ins Ausland — unter irgendwelchen Vorwänden; der beliebteste heißt: "um dort Frieden zu schaffen". Das ist solange ganz schön und gut, wird auch vom eigenen Volk einigermaßen geduldet, bis die ersten Opfer zu beklagen sind. Dann wird die Sache ernst. Nun wird der Kriegsgegner dämonisiert, meistens durch Verkürzung auf ein einziges Wort: "Russe", "Chinese", "Terrorist", "Taliban". Er sei feige, heimtückisch, hinterhältig — kurz: eigentlich gar kein Mensch, sondern eher eine Art Ungeziefer, und je mehr von diesem Ungeziefer man loswerde, desto besser für alle. Die eigenen jungen Burschen, hochanständige, hilfsbereite, tapfere Deutsche, die bekanntlich immer nur das Gute wollen, werden zu Helden erklärt. Damit ist klar, daß alles, was von nun an passiert, die Propaganda aufs perfekteste bestätigt: durch jeden Guten, der geopfert wird, erweist sich die Schlechtigkeit des Bösen nur umso deutlicher und muß dementsprechend konsequenter bekämpft werden.

Zugleich beginnen die Politiker, die diese jungen Burschen in den Krieg geschickt haben, anläßlich der Opfer salbungsvolle Reden zu halten. Posthum werden Orden verliehen; der Staat mobilisiert Pathos, Pomp und Musikkapellen. Die Opfer seien "für uns alle" gestorben. Jeder neu in den Krieg geschickte Soldat geht nun ebenfalls stellvertretend für "ganz Deutschland" ins Gefecht. Parallel dazu wächst der Haß auf die gesichtslosen, anonymen "Gegner" (die natürlich Feinde des Friedens und der Menschlichkeit seien); auch das Rachemotiv klingt an, erst verdeckt, dann mit einer gewissen Erleichterung offen zutage tretend.

Der Trick bei diesem alten Ladenhüter der Kriegspropaganda: Durch die ganze künstlich inszenierte Show, das tägliche Trommeln und Berieseln, die immer neuen Parolen und Verlautbarungen, wird von einer ganz simplen Tatsache abgelenkt. Diese lautet: Es sind die Politiker, die die jungen Burschen auf dem Gewissen haben. Es wäre völlig logisch, sie als Mörder zu bezeichnen. Sie haben diese jungen Menschen mißbraucht, indem sie sie für Ziele wie Macht und Prestige, Einfluß und Profit benutzten. Aber wenn ich sage "Mörder", so ist selbst das noch nicht scharf genug. Ein Mörder, wie minderwertig seine Verhaltensweise auch sein mag, muß die Tat wenigstens selbst begehen und setzt sich dabei schwerwiegenden Risiken aus. Seine Tat ist mühevoll. Er muß es erst einmal schaffen, das blutige, widerwärtige Tun wirklich durchzuführen. Der Politiker hat es da viel einfacher. Er kann sich sogar noch in den hörigen Medien (die sich während seiner Kriegspolitik in der Regel noch dichter um ihn und seine Pläne scharen) als Wohltäter und Heilsbringer präsentieren.

Wiederholt sich nun wirklich alles, oder gibt es in einem Land wie Deutschland, das gründliche Erfahrungen mit Krieg und Kriegspropaganda gemacht hat, doch noch einige wache Köpfe, die auf die plumpe Masche nicht hereinfallen und die Sache beim Namen nennen? Selbst wenn die Gerichte, die ja ebenfalls unter Regierungseinfluß stehen (die "Gewaltenteilung" ist in Deutschland nicht wirklich gegeben, auch wenn immer das Gegenteil angenommen wird), nichts unternehmen, so ist es doch wichtig, für sich selbst eine klare, nicht durch massenhafte Suggestion verfälschte Sicht zu behalten und auch angstfrei und offen zu artikulieren. Die Wahrheit ist es, die letztlich entscheidet und die sich immer durchsetzen wird, nicht die Lüge, nicht die Propaganda — auch wenn erst einmal viele Millionen darauf hereinfallen. Warum dann nicht gleich bei der faktischen Wahrheit bleiben?

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