Der Wechsel
Ich hatte mich zu einer Webseite der Partei der Vernunft geäußert, bei der es ums Geldsystem ging. Es gab dann noch zahlreiche weitere Kommentare, bei denen über das Thema diskutiert wurde. Der Fall zeigte wieder mal ganz klar, was bei derartiger Kommunikation schiefläuft, und zwar jedesmal und ganz zwangsläufig.
(Einschub: Wenn sich irgendwer von diesen Diskutierern ernsthaft für meine Hinweise interessiert hätte, wäre wohl auch auf meine Einträge oder auf den verlinkten Text reagiert worden. Die Aufrufzahl der verlinkten Seite sagt mir schon alles. Es ist immer dasselbe. Ich hatte diesmal übrigens auch nichts anderes erwartet, sonst wäre ich womöglich wieder, wie vor Jahren, herb enttäuscht worden. Aber es ist immer dasselbe hohle Theater. Man muß das einmal verstanden haben, dann ist man frei davon.)
Die Systemfrage läßt sich nicht durch Diskussionen lösen, sondern nur durch die Realität selbst. Bei den Diskussionen werden Konzepte ventiliert, die komplett gegenstandslos sind. Die Idee, man könne durch irgendein politisches Programm, ganz egal welcher Richtung, Einfluß auf die Gesellschaft nehmen, kann ich nur als verrückt bezeichnen — und genau hier liegt auch der Grundirrtum derartiger Initiativen. Denn solange diese Gesellschaft nicht am eigenen Leibe die Wirkungen des Falschgeldsystems miterlebt, wird sie auch nicht imstande sein, über eine Situation, wie sie erst durch den Crash in Kraft tritt, nachzudenken. (Das Wort "Nachdenken" sagt es ja bereits selbst.) Das ist, wie wenn man versuchen würde, mit den Menschen, die an Bord der sinkenden Titanic sind (auf der es bei weitem zu wenig Rettungsboote gibt) und es immer noch gemütlich und warm haben, darüber nachzudenken, wie es später mal sein könnte.
Man sollte die Realität nicht unterschätzen. Die Gedanken ändern sich in der Regel erst wirklich aufgrund der völlig geänderten Situation. Vorher kann man zwar diskutieren und neue Theorien aufstellen, aber es fehlt allein schon die energetische Grundlage für diese Theorien: das wird nicht ernst genommen, ist alles nur Spielerei, und diejenigen, die sich da großtun, sind bloß irgendwelche Matadore der Rhetorik oder anderer Propaganda.
Hier liegt auch das Problem der Partei der Vernunft. Selbstverständlich ist, wenn man das Geldsystem tiefer durchdacht und verstanden hat, ausschließlich eine Partei oder politische Richtung ernstzunehmen, die von einer seriösen Gelddeckung als Grundvoraussetzung ausgeht — und da kenne ich im Moment keine andere als diese. Aber die Leute werden sie nicht wählen, eben aus demselben Grund, aus dem niemand, noch bevor die Titanic wirklich sinkt, ins kalte Wasser springen wird. Wie es so schön als Einwand hieß: die Piratenpartei (bei der überhaupt keine Kompetenz in solch entscheidenden Fragen vorhanden ist und die im Grunde nichts anderes als eine diffuse modische Protestbewegung darstellt, unter der man sich, weil kaum etwas richtig ausgearbeitet wurde, immer das einbilden kann, was einem gerade am besten zupaß kommt) wäre "cooler" und spräche den Zeitgeist, die Jugend, oder was auch immer, mehr an. Genau das wollen die Leute (die noch auf dem warmen Schiff sitzen): immer noch "bessere Unterhaltung", mehr "Pep" oder eine bessere "Anmache".
Grundsätzlich ist es zum jetzigen Zeitpunkt absolut unsinnig und überflüssig, Zeit oder Energie in Reformbewegungen zu stecken, einfach weil die Leute noch gar nicht wissen, was auf sie zukommt, und so lange einfach nur von ihren alten Wahrnehmungskategorien in Beschlag genommen sind. Die Bevölkerung wird den Teufel tun, freiwillig auf den Sozialstaat (die Titanic) zu verzichten oder zuzustimmen, daß das Krebsgeschwür der wuchernden Bürokratie, in der mittlerweile mehr als die Hälfte von ihnen als Trittbrettfahrer involviert ist, schmerzhaft zurückgeschnitten wird. Ohne Not wird man sich nicht schon jetzt zu unangenehmem Verzicht und zu harten Desillusionierungen bereiterklären. Genau das müßte ja im Programm einer derartigen Vernunftpartei stehen — und besser könnte man kein Programm formulieren, das von allen Alternativen am wenigsten Chancen auf Erfolg hätte.
Das jetzige System auch nur irgendwie, radikal oder weniger radikal, reformieren zu wollen, eine Katastrophe abblocken zu wollen, einen gleitenden Übergang zwischen dem jetzigen Zustand und einem etwas besseren schaffen zu wollen (neue ungedeckte oder teilgedeckte Währung, ein bißchen weniger Bürokratie, ein bißchen mehr Pluralismus und Freiheit, wieder mehr Zivilcourage im Parlament, mehr Unabhängigkeit der Presse, ein humaneres und besser funktionierendes, weniger Kosten verschlingendes Gesundheitssystem) — das wären alles nur kosmetische Änderungen, bei denen das Grundübel gar nicht beseitigt wäre. Nein, dieser ganze Komplex aus Lügen, Umverteilung und Vertuschung muß doch erst komplett zusammenstürzen, muß untergehen, damit wieder neuer Platz frei wird für eine andere, offenere Geisteswelt.
Für mich stellt sich bei allem monatelangen, ja vielleicht sogar weitere Jahre dauernden Abwarten bloß noch eine Frage: Wieviel Zerstörung und menschliches Unglück wird der notwendige, der bitter notwendige und unvermeidliche Kollaps des jetzt noch herrschenden Falschgeldsystems kosten? Parteikonzepte oder Geldtheorien zu diskutieren, ja, sich überhaupt noch mit den Wehen der aktuellen, immer dekadenteren Politik zu beschäftigen, das ist pure Zeit- und Energieverschwendung und vergällt einem nur die Lebensfreude. Meiner persönlichen Wahrnehmung nach schadet das mehr, als es nützt. Und dieselben Diskutierer, die sich dabei hervortun, sind nichts anderes als die Intriganten und die Nutznießer eigener Privilegien von morgen.
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