Warum haben wir schon jetzt eine Diktatur?
Bezugnehmend auf meinen letzten Eintrag "Die Zeit der Diktatur bricht jetzt an" möchte ich hier näher auf die Thematik der Diktatur eingehen und erklären, weshalb ich diesen Begriff inzwischen passend für unser Land finde. Natürlich werden sich viele empört/entrüstet fragen, wie einer dazu kommt, solch ein scharfes Wort zu benutzen, wo wir doch scheinbar immer noch ziemlich frei leben, niemand (oder fast niemand?) gefoltert wird, das Leben noch relativ glimpflich verläuft usw. usf. Diktatur hat aber zwei Stufen: eine offensichtliche und eine weniger offensichtliche. Die zweite kommt zuerst, und sie findet im Kopf statt. Eine Diktatur gegen und ohne die Mehrheit der Menschen ist unmöglich; es muß zuerst eine Disposition da sein, die sich dann auch im großen äußeren Rahmen auf offensichtliche Weise manifestiert. Ein Diktator allein, also irgend so ein verrückter Wichtigmacher und Schreihals wie etwa der berüchtigte Adolf, würde — das ist und bleibt meine unbeirrbare Überzeugung — ohne diese Voraussetzung unbemerkt an einer Straßenecke stehen bleiben und von niemandem beachtet werden: da könnte er schreien und Reden halten, soviel er wollte. Nein, nein, die Disposition muß zuerst da sein, und sie kann man nicht derartigen Popanzen in die Schuhe schieben. Das ist eine der allergrößten Lügen der Menschheit, und diese Lüge wird auch in unserer Zeit hemmungslos kolportiert. Eben weil man von der wahren Diktatur, der in den Köpfen der Menschen, abzulenken versucht und irgendeinen Sündenbock braucht.
Diktatur fängt da an, wo angenommen wird, man könne von oben regulieren, was "richtig" ist. Man könne das Verhalten der Menschen durch Regeln, gesetzliche Vorschriften, Erlasse, Paragraphen und sonstige Maßgaben in geeignetere Bahnen lenken, also steuern. Natürlich alles "mit besten Absichten". Die Masse ist dumm, lethargisch, desinteressiert, gedankenlos und unwillig, also muß man sie eben zum "Richtigen" nötigen. Und hierzu wird dann der Staat auserkoren. Der Staat ist dann unser Gott, scheinbar demokratisch erwählt, also ist scheinbar alles ganz modern, aufgeklärt und logisch. Wir wählen uns den Staat, damit er die Dinge, die nicht in Ordnung sind, in Ordnung bringt. Dazu braucht der Staat Macht, Einfluß, wenn nötig auch Gewalt. Hätten wir sonst nicht das Chaos, die Anarchie (schon beim Aussprechen dieses Wortes zuckt unser Zeitgenosse entsetzt zusammen), und vor allem: die Ungerechtigkeit? Um Gerechtigkeit, Frieden und ein generell gut organisiertes gemeinsames Miteinander zu haben, brauchen wir einen solchen guten, wohlwollenden Staat, der das Nötige tut und den Menschen hilft und so allen Beteiligten ein tröstliches Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit vermittelt.
Genau dieses Denken erschafft die Diktatur, und diese Diktatur haben wir jetzt schon. Ich habe den Leser natürlich in die Falle gelockt und ihm seine eigene Denkweise vorgestellt, seinen eigenen Glauben an das, was er für nützlich und notwendig hält. Wer hat diese Denkweise denn nicht, vielleicht für Momente, vielleicht auch durchgängig? Aber genau das halte ich für einen entscheidenden Faktor des kommenden Unheils: hier steckt der Keim für den Übergang von der nicht-offensichtlichen zur offensichtlichen Tyrannei. Es ist Gehirnwäsche, freiwillige Gehirnwäsche, bis sich dann die Daumenschrauben, die man sich zuerst selbst angelegt hat, von außen immer mehr zuziehen. Denke ich erst einmal so, dann liefere ich meinem Tyrannen die Rechtfertigung, entsprechend mit mir umzugehen. Ich tue dasselbe, was pseudoreligiöse Menschen mit ihrer Gottesprojektion machen: ich entwürdige mich selbst und verlagere meine Kraft und meine Intelligenz in eine außerhalb von mir gelegene, künstlich geschaffene und durch ständige Projektion immer weiter vergrößerte Instanz. Ich mache mich zum Sklaven meiner eigenen Schöpfung und krieche dann vor dieser Schöpfung hilfesuchend und bettelnd im Staub.
Gerechtigkeit, finanzielle Unterstützung nach dem Gießkannenprinzip, Regulierung durch zunehmende Kontrolle, Sammeln von Informationen zum Zweck besserer Organisation und Verwaltung: da haben wir doch wunderbar unsere Regierung (die ich inzwischen Regime nenne), da haben wir unsere EU, unsere Ämter, Behörden, Schulen und Gerichte, unsere Konzernführungen und Banken, unsere Rechtsanwälte, Ärzte, Berater und wissenschaftlichen Experten, da haben wir unsere Unmengen an Paragraphen, Richtlinien, Steuervorschriften, Patentschriften, Verkehrsregeln, Gutachten, Prüfungs- und Genehmigungspapiere, da haben wir Millionen sesselfurzender Bürokraten, Tausende von Büroetagen und viele tausend Quadratmeter Bürolandschaften, Schreibtische, Aktenschränke, Archive, Bibliotheken, Millionen von Angestellten und von Vorgesetzten, die sie beaufsichtigen. Das haben wir doch jetzt schon alles, nennen es aber nicht Diktatur, sondern erwarten immer noch, daß es irgendwie zur Verbesserung unseres Lebens beiträgt. Wer will denn nicht durch diesen Apparat abgesichert werden, wenn er krank und/oder arbeitslos wird? Viele sind auch glücklich, wenn sie in dieser gigantischen Maschinerie der vermeintlichen sozialen Gerechtigkeit und Unterstützung eine Anstellung finden und dann für ihre Zukunft ausgesorgt haben, dort nur noch morgens hingehen, ihre Zeit absitzen und abends wieder nachhause zu gehen brauchen und wissen, daß sie am Abend und am Wochenende "frei" haben und von dem dort erarbeiteten Einkommen ihren Wohlstand fristen können.
Ich finde es einfach nur lächerlich und kindisch, wenn sich jetzt ein paar Linke über die "Zensursula" aufregen und dann von Diktatur reden. Das allermeiste, was mit einem riesigen Lamento als Diktatur und Überwachungsstaat beklagt wird, ist völlig marginal, und je lauter man darüber schreit, desto leichter macht man es den Vertretern dieses Regimes, sich wieder mal als harmlos, wohlanständig und in jeglicher Hinsicht "demokratisch" zu positionieren. Die meisten, die über die "Zensursula" herziehen, haben das Denken der Diktatur in ihren eigenen Köpfen, ja wollen sogar noch mehr "Gerechtigkeit von oben", noch mehr "Gießkannenprinzip", sei es als größere Grundversorgung ohne Gegenleistung per echter Arbeit oder echter eigener Verantwortung. Da sollen dann die Reichen abkassiert werden und das Geld dem Staat übertragen werden, damit dieser erst recht seiner Übervaterrolle nachzukommen habe. Und wenn der Staat dann aufgrund seiner eigenen Mißwirtschaft und des falschen Geldsystems pleite ist, braucht man bloß zu Steuererhöhungen bzw. Enteignungen und Beschlagnahmungen zu schreiten oder legt schuldenfinanzierte "Konjunkturprogramme" auf, und schon gibt's wieder was zu verteilen.
Die Träume der Sozialisten und die des machtgierigen Geldadels laufen im Prinzip auf dasselbe heraus: auf eine Überverwaltung und eine vereinheitliche Kontrollinstanz, die — im Sinne der jeweiligen Auftragggeber, seien das nun die sozialistischen Funktionäre, die vermeintlich wissen, was für alle gut ist, oder die kapitalistischen Finanziers, die vermeintlich wissen, was not tut — das Gemeinwesen von oben steuert. Nicht nur zufällig sind beide Gruppen leidenschaftliche Befürworter des Kredit- und damit des Falschgelds, denn nur mit diesem beliebig aus dem Nichts zu schöpfenden Staatsgeld (Fiat-Geld) läßt sich das System finanzieren und für eine voraussichtliche Dauer von 60-80 Jahren aufrechterhalten. Staatliche Konjunkturprogramme à la John Maynard Keynes, "Freigeld" à la Silvio Gesell, verstaatlichte Banken, Staatswohlfahrt einerseits oder Kontrolle der Notenbanken durch einen Geldadel aus Milliardären und Investoren andererseits (wie beim Beispiel das Federal Reserve System) — es ist dieselbe verblendete Denkweise, nur wollen die einen dieses von oben verordnete Geld, das keinen echten Gegenwert hat, für die Wohlfahrt, die anderen für die eigene Gier. Beide faseln von "Neuen Weltordnungen", Weltregierung, Weltwährung, Weltpolizei und Weltfrieden. Man kann das auch Faschismus nennen, oder Nationalsozialismus.
Ich hatte Deutschland angesprochen. Auch die Deutschen glauben jetzt, gerade jetzt, gerade in der Krise, an ihre voller Ehrfurcht und Respekt bewunderte Obrigkeit. Ich sehe da keinerlei Unterschied zu Gesinnungen der früheren Epochen — eher im Gegenteil: die während der Aufklärung, in der Deutschen Klassik erworbenen Einstellungen sind längst vergessen und verraten. In den Wahlen wählen sie immer wieder dieselben Versager und Verbrecher, selbst wenn jedermann weiß, daß wichtige Regeln des Grundgesetzes von ebendiesen korrupten und machtgierigen Fassadenmenschen tagtäglich mit Füßen getreten werden. Krieg, Zensur, Entwürdigung und Bevormundung, fehlende Gleichberechtigung von Frauen, Steuergeldverschwendung — das ist doch alles verboten; das dürfte es doch gar nicht geben, und wer das veranlaßt, gehörte bestraft: warum haben wir das denn noch, und warum gewöhnen wir uns tagtäglich von neuem daran? "Die kennen sich nun mal besser aus als wir", mußte ich mir neulich wiederholt anhören, als ich auf der Straße Unterschriften zugunsten von Volksentscheiden sammelte. "Wir, als Volk, sind gefährlich und unberechenbar, das weiß man doch aus der Geschichte, also sollen jetzt lieber die Politiker für uns entscheiden."
Was sich jetzt anbahnt, ist der Kollaps dieses ganzen Denkens. Mit dem Falschgeld wird auch die Diktatur zusammenbrechen — einzig interessant ist die Frage, ob dann gleich die nächste Diktatur errichtet wird oder ob die Menschen daraus gelernt haben werden und sich nun wieder auf ihre Eigenverantwortung besinnen werden, und zugleich auf echte Werte. Das entstehende Chaos wird sehr viel Gewalt mit sich bringen, aber es hat auch etwas sehr Heilsames und Ausgleichendes an sich. Anarchie ist viel besser, als der lebensängstliche Spießer jemals zu denken wagt, denn sie läßt den schmarotzenden bürokratischen Überbau, jegliche irrtümlichen Projektionen, jede feige Abgabe der Selbstverantwortung und sämtliche komplizierten Regulierungen einer angeblichen Gerechtigkeit "von oben" zusammenbrechen. Die künstlichen, dem Leben aufgepfropften Konzepte des Menschen zeigen sich dann in ihrer ganzen Armseligkeit und Anmaßung, die Kontrolle bricht zusammen und die Natur erhält wieder ihr Recht. Ja, die Natur kann grausam sein! Bei ihr treten Leben und Tod abwechselnd und mit unerbittlicher Gleichberechtigung in Kraft. Aber nach einem reinigenden Gewitter entwickelt sich eine neue, wirklich harmonische Balance — etwas, das sich der irrende Mensch in seiner persönlichen Beschränktheit nie ausdenken könnte.
Einige ergänzende Link-Tips mit Hintergrundinformationen:
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